Pflanzenkläranlagen als vierte Reinigungsstufe: Potenzial vertikaler und hybrider Pflanzenfilter zur Entfernung von Spurenstoffen
Die Anforderungen an die kommunale Abwasserbehandlung steigen. Mit der neuen EU-Richtlinie 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem Abwasser werden die Anforderungen an die Entfernung von organischen Spurenstoffen wie Arzneimittelrückständen, Pestiziden und hormonell wirksamen Substanzen deutlich verschärft.
Artikel 8 der Richtlinie sieht die schrittweise Einführung einer vierten Reinigungsstufe für kommunale Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten sowie für Anlagen in bestimmten Gebieten mit erhöhtem Risiko durch Mikroschadstoffe ab 10.000 Einwohnerwerten vor. Bis spätestens Ende 2045 sollen die entsprechenden Anforderungen vollständig umgesetzt sein.
Abb.: Netzwerkvisualisierung zentraler Forschungsbereiche und Zusammenhänge rund um Pflanzenkläranlagen (Constructed Wetlands). Quelle: Kushwaha et al. (2024), Chemosphere.
Eine unserer Pflanzenkläranlagen im Einsatz
Welche Perspektiven ergeben sich für die zukünftige Abwasserbehandlung?
Ein besonders interessanter Ansatz ist die Kombination von Pflanzenkläranlagen mit bestehenden technischen Reinigungsverfahren. Während beispielsweise Ozonung oder Aktivkohlebehandlung bestimmte schwer abbaubare Spurenstoffe gezielt entfernen können, bieten nachgeschaltete Pflanzenfilter zusätzliche biologische Abbau- und Rückhaltemöglichkeiten. Ob und in welchem Umfang solche Kombinationen die Ablaufqualität verbessern, muss jedoch für die jeweiligen Schadstoffe und Betriebsbedingungen nachgewiesen werden.
Für die Planung von Pflanzenkläranlagen ergeben sich daraus neue Entwicklungsmöglichkeiten. Durch eine gezielte Anpassung der hydraulischen Belastung, Sauerstoffversorgung und Filtermaterialien könnten insbesondere vertikale und hybride Pflanzenfilter künftig zusätzliche Aufgaben in der weitergehenden Abwasserbehandlung übernehmen.
Fazit
Die aktuelle Forschung zeigt, dass Pflanzenkläranlagen ein relevantes Potenzial zur Entfernung ausgewählter organischer Spurenstoffe besitzen. Insbesondere vertikale und hybride Systeme bieten interessante Möglichkeiten, unterschiedliche Reinigungsprozesse gezielt miteinander zu kombinieren. Als eigenständige oder ergänzende vierte Reinigungsstufe eröffnen sie neue Perspektiven für eine energieeffiziente und naturnahe Abwasserbehandlung.
Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Planung und im Bau von Pflanzenkläranlagen leistet Janisch & Schulz seit den Anfängen Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Auch heute arbeiten wir im Rahmen verschiedener angewandter Forschungsprojekte aktiv an der Weiterentwicklung der Technologie. Die neuen Anforderungen an die Abwasserbehandlung sehen wir als Chance, unsere Erfahrung einzubringen und neue Wege zu gehen. Wir sind bereit, uns diesen Herausforderungen zu stellen und gemeinsam mit Forschungspartnern und kommunalen Betreibern Versuchsanlagen unter realen Bedingungen zu planen, zu betreiben und wissenschaftlich auszuwerten. So möchten wir dazu beitragen, das Potenzial von Pflanzenkläranlagen als vierte Reinigungsstufe weiter zu erforschen und die Technologie für zukünftige Anforderungen gezielt weiterzuentwickeln.
Quellen
EU-Richtlinie 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem Abwasser https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/LSU/?uri=CELEX%3A32024L3019
Kushwaha, A., et al. (2024): Constructed wetlands for the removal of organic micropollutants from wastewater: Current status, progress, and challenges. Chemosphere, 360, 142364.
Gebru, S. B. & Werkneh, A. A. (2024): Applications of constructed wetlands in removing emerging micropollutants from wastewater: Occurrence, public health concerns, and removal performances – a review. South African Journal of Chemical Engineering, 48, 395–416.




